Ein Anfang und kein Ende: Warum Sie BURN OUT nie zu fassen bekommen

Es gibt viele interessante Versuche – aber fast alle scheitern, nachdem sie zuerst einiges gebessert haben. Warum?

Um es vorweg zu sagen: Wer anderen Menschen helfen will, ihren BURN OUT zu überwinden, muss (so sehe ich es wenigstens) selbst mal drin gehangen sein.
Er muss nicht nur die körperlichen Einbrüche selbst gespürt haben – wenn´s denn nur das wäre – die Müdigkeits-Phasen kommen immer wieder mal! Er muss nicht nur die frustrierenden Zusammenbrüche von Hoffnungen, Idealen, Zielen und Perspektiven erlebt haben – das kann es ja auch so mal geben, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern – und muss noch nicht zum BURN OUT führen. Er muss nicht nur die sonderbaren Verwandlungen der Menschen im Umfeld erlitten haben – das kommt immer wieder vor – denn in jedem Leben gehen mal die Dinge schief – und dann knallt man die Tür für andere ganz einfach zu. BURN OUT ist anders. Ist total anders. Auch wenn es all die genannten Aspekte immer dabei gibt.

Hier erst mal ein reales Beispiel.
Eine gestandene Dame in den besten Jahren kann plötzlich die einfachste Abläufe nicht mehr steuern. Sie findet Ordner nicht, die Sie am Tag zuvor zurück gestellt hat. Sie will telefonieren – und weiss die Nummer nicht mehr, die sie jeden Tag x mal gewählt hat. Und das Telefonbuch ist auch verschwunden. Sie muss zum Meeting und vergisst, worum es eigentlich geht. Ist da schon BURN OUT? Nein – noch nicht ganz! Das kann daher kommen, dass sie sich in einigen gravierenden Veränderungs-Prozessen befindet. Sich mental auf ganz neue Ziele und Ideale umstellt. Wenn Sie ihr Hirn radikal umstellt, entstehen solche Codierungs-Fehler. BURN OUT ist anders. Ist total anders. Auch wenn es solche Aussetzer immer dabei gibt.

Noch ein Beispiel:
Ein erfolgreicher Abteilungs-Leiter hat sein Team super motiviert .Alle ziehen gemeinsam am selben Strang – in die selbe Richtung. Es gibt klare Vorgaben, wie man Kunden-Reklamationen behandelt. Und das akzeptieren die Jungs auch. Und alle wollen mithelfen, die Jahres-Messe zu einem grossen Erfolg zu machen. Jeder einzelne hat seinen Part tief verinnerlicht. Und kurz vor dem Termin dreht der Chef ab. Kann nicht mehr. Will nicht mehr, sieht in allem keinen Sinn mehr – obwohl er zuvor voll dafür gekämpft hat. Ist das schon BURN OUT? Nein, nicht ganz. Obwohl dabei auch solche Effekte die Regel sind. Der Zusammenbruch bestehender Ideale, für die man zuvor gestritten und gelitten hat. BURN OUT ist mehr. Ist total anders. Auch wenn es immer mal solche Wendungen gibt.

Das dritte Bespiel:
Es gibt einen Coordinator, der in Projekten die verschiedenen Prozesse und Abteilungen coordinieren soll. Das macht er klasse! Eben weil er die Materie versteht. Weil er zuvor selbst darunter gelitten hat, wenn bei Projekten genau diese Verschmelzung fehlte. Er kennt die Teams von seiner früheren Aufgabe her. Er ist beliebt. Zuverlässig und ehrlich. Und plötzlich dreht er ab, wenn er Kollegen sieht. Zieht sich zurück in sein Büro. Geht nicht ans Telefon. Verpasst Meetings. Wird unleidig und pampig. Man spürt: Der kann keinen Menschen mehr sehen. Er hat die Nase nur noch voll. Ist das schon BURN OUT? Nein – noch nicht ganz, auch wenn es solche Fälle Selbst-Isolation immer wieder gibt. BURN OUT ist anders. Ganz anders. Und es wird echt Zeit, dass wir dieses Phänomen jetzt wirklich verstehen. Nicht so, wie es die Medien platt verkaufen. Wer wirklich voll drin hängt, muss sich verschaukelt fühlen, wenn er als Hilfe Psychoseminare oder eine Zeitplan-Technik verkauft bekommen soll.

OK – aber was ist BURN OUT dann wirklich?
Was macht den so grossen Unterschied.
Das ist nicht ganz einfach zu verstehen, weil es eine völlig neue Symptomatik ist, die man nicht mehr greifen und klar diagnostizieren kann. Und weil Menschen, die im BURN OUT hängen, das Ganze als ziemlich hoffnungslos erleben.

Nun konkret: Die Definition
BURN OUT ist eine Multi-System-Störung. Sie entsteht, wenn sich parallel im körperlichen, mentalen und sozialen Bereich immer mehr Belastungen aufschaukeln und diese sich dann nach einem Crash in immer wieder neuen Synthesen hoch drehen.

Wie bitte? Das verstehe ich nicht!
Ich sagte ja, nicht sofort zu verstehen. Es gibt ja ach kaum „Helfer“, die BURN OUT soweit durchdacht haben. Daher jetzt im Detail. An einem Beispiel.
Max T. arbeitet sich die Seele aus dem Leib, weil er Erfolg will. Er kann was. Und will es zeigen. Er will reich werden, ein Haus haben. Und im Alter nicht mehr arbeiten müssen. Er will von seiner geliebten Frau als „Mein Held“ verstanden werden. Das motiviert ihn über alle Massen. Er nimmt Projekte an, die andere ablehnen. Will sie unter allen Umständen zum Erfolg führen – und seinen Namen dran heften. Das ist alles voll OK. Erfolgs-Menschen sind nunmal aus diesem Holz geschnitzt!

Achtung: Jetzt macht er folgende 3 Fehler – und die zwingen ihn in den BURN OUT
Fehler 1: Er begeht Raubbau an seinem Körper.

Er beutet ihn aus – und führt keine VItalstoffe nach. Holt endlos raus. Und glaubt, das würde ewig so weiter gehen. Er hält die Notfall-Ressourcen als Dauer-Quelle für seine Körper-Leistung. Sein Auto tankt er regelmässig – aber seinen Körper????

Fehler 2: Er organisiert keine Verknüpfungs-Frei-Zeiten für sein Hirn
Hat alle Termine im Kopf. Alle Details. Die Telefonnummern der Partner. Und kennt auch noch die geheimen Probleme der zu verkaufenden Maschinen. Er überlastet sein Hirn, weil er keine Ruhe-Phasen einbaut, in denen diese Daten verknüpft und damit abrufbar gemacht werden. Das geht so lange. bis der Zwischenspeicher im Kopf prall voll ist – und nichts mehr aufnimmt. Schlimmer: Die Ausgabe der gespeicherten Daten bricht zusammen. Er vergisst vieles – und oft das peinlichste…

Fehler 3: Er selektiert die Menschen um sich herum sehr sorgfältig aus.
Wertet genau, wer ihn weiter bringt – wer nicht. Wer auch Erfolg haben will – und wer nur der Rente entgegen vegetiert. Der Kreis wird kleiner – aber intensiver. Und dann spüren die „Rente-Vegetierer“, dass sie unwillkommen sind. Unterwertig. Und ziehen sich zurück. Jetzt hat Max T. den Support von der Basis verloren. Das „Kleine“ klappt nicht mehr. Und er bekommt genau dort, wo er die Hilfe am nötigsten hätte, infame Ablehnung.

Verstanden?
Soweit ist es noch kein BURN OUT.
Aber jetzt kommt´s:

Jetzt kommt ein Messe-Termin. Max T. will den Aufbau leiten und braucht die neuen Maschinen, die aber alle noch nicht fertig sind. Er sieht sein Messe-Projekt in Gefahr. Verstärkt innerlich den Druck. Schläft immer schlechter. Bellt die Arbeiter an, die an den Prototypen schaffen. Wird voll gemobbt – und jetzt zündet sein Hirn den Grübel-Zirkus: Was ist wenn…? Und diese Idioten sind schuld … Und ich muss das schaffen … Wenn das schief geht, bin ich verloren … Ich verliere meinen Job… Wer zahlt dann die Miete, die Leasing-Raten, die Ausbildung der Kinder, das Geschenk für die Frau … und nur weil …

Es dreht und dreht das Carousell. Bis es zu Crash kommt!
Dann koppelt sich die Vergesslichkeit mit einer brutalen Abfuhr aus der Fertigung. Die Stresse zuhause mit Frau und Kind fallen mit der persönlichen Ablehnung im Unternehmen zusammen. Verstärken die Geld-Ängste – und das Stress-Gewitter tobt und kracht. Jetzt hat er verschlafen – und einen Termin versaust. Das nutzen diese Idioten voll aus und verraten ihn beim Chef … Aber, das schaffe ich auch noch. Das zahle ich denen zurück …

Spüren sie jetzt, was ich mit BURN OUT meine? Finden Sie sich irgendwie wieder?
Aus den einzelnen Teilbereichen verknüpfen sich die destruktiven Erlebnisse mit selbst ersonnenen Ängsten. Der innere Dialog malt nachts immer schlimmere Horror-Scenarien aus. Und dann manifestiert sich das Ganze, weil die Umfelder genau das alles zurück spiegeln. Jetzt haben wir BURN OUT! In der übelsten Form! Jetzt dreht sich eines aus dem anderen heraus hoch: Weil die Angst regiert, vertraut er keinem, das isoliert ihn und … So bringt jeder Tag eine neue Facette des Versagens und der bockigen Widerspenstigkeit. Am Ende kann Max T. überall hin schauen – und er sieht nur mehr Chaos. Und dann bricht die Perspektive voll zusammen. Es gibt keine (sichtbare) Rettung für Ihn .. Er fürchtet jeden neuen Tag – denn der bringt nur mehr neuen Ärger. Und dann knallt´s irgend wo. Die Sicherungen brennen durch.
Und dann haben wir echt BURN OUT.

Wie mag es Max T. wohl ergehen,
wenn er dann vom Therapeuten gesagt bekommt, er soll sich innerlich beruhigen. Sich auf den Stein in seiner Hand konzentrieren und diese vielen Pünktchen solange anstarren, bis er innerlich Ruhe findet. Allein der Versuch, sich zu beruhigen wird mit einer neuen Explosion der Ängste quittiert. Das eigene System rebelliert gehen alles, was gegen diese sich hoch drehenden Spiralen angeht. Und antwortet mit noch mehr Stress. Ängsten Aggressionen. Und neuen körperlich-geistigen Problemen.

BURN OUT ist zu einer Art Lebens-Umstand geworden,
aus dem Max T. alleine nicht mehr heraus findet. Eben weil sich das eine durch das andere hoch schaukelt und in seiner Berechtigung beweist. Mentale, soziale und körperliche Synthesen entstehen, weil Max T. überleben, sich retten will. Er will kämpfen – und kann nicht. Er will sich wehren und weiss nicht, gegen wen. Er will sich neue Ziele setzen – aber wohin soll´s gehen? Er weiss, was zu tun wäre. Aber was immer er versucht – es wir sofort durch 1000 innere Widerstände ausser Kraft gesetzt. Und jetzt haben wir den Salat. Das ist BURN OUT. Und jetzt ist auch klar, warum nur ein Mensch, der BURN OUT überlebt und gemeistert hat, andere aus dieser Falle führen kann.

Ich war im BURN OUT. Ich habe alles das erlebt.
Max T. ist frei erfunden. Aber mein eigener Fall ist nicht sehr weit davon entfernt.
Ich habe es geschafft. Und daher trete ich an, auch Sie aus dieser Falle zu holen.
Damit es Ihnen später genauso gut geht, wie mir jetzt.

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